Die rechte Hand des Teufels

Terence Hill (Mitte) beim Italian Film Festival Berlin 2018

Wenn ich als Siebenjähriger vor die Wahl gestellt worden wäre, wen ich gerne treffen würde: den Weihnachtsmann, den Osterhasen oder Terence Hill – ich hätte nicht zweimal nachgedacht. Und als ich im Kino saß, die Notausgangstür an der Seite aufging und der laibhaftige Terence Hill eintrat, überraschend unverändert trotz seines Alters, da kam alles wieder zurück.

Die Diskussionen auf dem Grundschulhof, ob Bud Spencer wirklich so stark ist. Die Ferien-Wiederaufführungen ihrer Filme in unserem Kleinstadtkino. Und die Enttäuschung, wenn in einem Film einer von beiden fehlte. Denn die beiden zusammen, Bud Spencer und Terence Hill, das war einfach das Beste überhaupt.

Und da stand er nun. Zuerst durfte er aber nichts sagen. Weitschweifig wurde vom Veranstalter allen möglichen Leuten auf Italienisch mit anschließender Übersetzung gedankt. Eine Vertreterin der Tourismusindustrie erklärte, wie schön Italien doch als Urlaubsziel sei und man doch man hinfahren soll (auch ihr wurde gedankt). Aber das war alles egal, denn da stand er, der Held meiner und wohl auch der Kindheit aller Anwesenden, und wartete geduldig bis er dran war.

Mir kam in den Sinn, dass wir im Kino eigentlich alle etwas zu jung waren, Mitte 30 bis Mitte 40 vielleicht. In unserer Kindheit in den 80ern war der große Erfolg ihrer Filme eigentlich schon fast vorbei. 18 Filme haben die beiden zusammen gedreht. Beim Allerersten hatten sie nicht mal eine Szene zusammen. Bei den nächsten drei handelte es sich um klassische Italo-Western, die erst später durch Blödelsynchro so halbwegs zu Komödien wurden.

So richtig los ging es erst mit Die rechte und die linke Hand des Teufels (1970) und dem Nachfolger ein Jahr später Vier Fäuste für ein Hallejua (1971). Beides große Erfolge mit Kultstatus. Aber selbst da war ich noch nicht auf der Welt. Meinen ersten Film der zwei muss ich im Fernsehen gesehen haben. Eine Kindheit vor den beiden gibt es für mich nicht.

Ich erinnere mich deutlich, dass wir nach dem Kinobesuch von Keiner haut wie Don Camillo 1983 (obwohl wir den Film natürlich toll fanden) das Gefühl hatten, dass Bud Spencer fehlt. Warum ist Terence Hill da alleine?

Das Gefühl hatte ich so ein kleines bisschen jetzt im Kino auch wieder. Gut, man kann nicht erwarten, dass man dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen gleichzeitig begegnet, schon gar nicht, wenn der Weihnachtsmann 2016 gestorben ist. Terence Hill 10 Meter vor sich stehen zu haben, das ist schon genug.

Der Interviewer konnte kein Deutsch und hatte nicht wirklich gute Fragen vorbereitet, der Italienisch-Dolmetscher kannte die deutschen Titel seiner Erfolgsfilme nicht und schien auch sonst leicht überfordert. Aber Terence Hill rettete, was zu retten war, gab seine Antworten auf Deutsch und Italienisch und hing noch eine Anekdote dran, die er schon tausendmal erzählt haben muss, nämlich wie er Bud Spencer am Filmset zum ersten Mal begegnete, natürlich war es eine Prügelei.

Ich bin nicht der Einzige, für den Bud Spencer und Terence Hill viel mehr sind als 80er-Filmstars. Letztes Jahr trafen sich in dem kleinen Dorf Lommatzsch, wo Terence Hill während des Krieges seine ersten Lebensjahre verbracht hat, tausende von Fans, um sich entsprechend kostümiert, ihre Filme anzuschauen und Bands zu lauschen, die die Soundtracks nachspielten. Riccardo Pizzuti, der Standardprügelknabe des Duos, war auch da. Und auf Kabel 1 wurden ihre Filme an Weihnachten wieder mal rauf- und runtergezeigt. Die hard go home.

Die Filmkritik war wohl nie ein großer Freund ihres Schaffens. Zu viel Männlichkeit und Gewalt – angeblich. Wobei einen doch die Geborgenheit, die Bud Spencer ausstrahlt einfach mitreißen muss. Wer will da nicht Terence Hill sein?

Vielleicht darf man einfach nicht älter als zehn sein, wenn man Das Krokodil und sein Nilpferd zum ersten Mal sieht. Nur dann versteht man, welch ein Meisterwerk es ist.

Von |2019-01-01T17:01:50+00:001. Januar 2019|Feature, Film|