La damnation de Faust

2011 inszenierte Altmeister Terry Gilliam zum ersten Mal eine Oper, und zwar für die English National Opera. Nun war seine Produktion von „La damnation de Faust“ auch zum ersten Mal an der Staatsoper in Berlin zu sehen.

Im Original erzählt Hector Berlioz‘ Oper ihre eigene Interpretation des sprichwörtlichen Teufelspaktes. Faust, anfangs noch des Lebens müde, verliebt sich durch Mephistopheles manipuliert, in die schöne Marguerite und fährt am Ende statt ihrer auf ewig zur Hölle.

Gilliam machte in seiner Inszenierung den Teufel zu einem SS-Offizier, der Faust zur Wehrmacht lockt und Marguerite zur Jüdin, die in der Gaskammer endet. Dabei ließ er sich am romantischen Anfang von Caspar David Friedrich, für die wilden Zwanziger von George Grosz sowie Otto Dix und schließlich für das dritte Reich von Leni Riefenstahl (und Fritz Lang?) inspirieren.

Das deutsche Opernpublikum genauso wie die Kritiker hatten damit stellenweise ihre Probleme. Es gab nicht wenige Buhrufe (für die Inszenierung, nicht für die musikalische Umsetzung, der Dirigent Simon Rattle gehört zu den Meistern seines Fachs) und bei den meisten Besprechungen kam Gilliam auch nicht gerade gut weg.

„[N]ur abgedroschen oder schon ein Skandal“, fragte die Zeit. BR-Klassik merkte an: „so stellt sich das kleine britische Fritzchen die Krauts vor“, die Welt fand Gilliams Ansatz wenigstens „für eine starke Optik gut“.

Die Inszenierung hatte aber, obwohl es nicht danach klingt, durchaus stellenweise Gilliams Skurrilität. Fans seiner Filme (und ich war nicht der Einzige, der bei der Vorstellung da war, das konnte man sehen) kamen auf ihre Kosten. Manche Szenen waren spielerisch bizarr, andere wiederum, wenn es um die Judenverfolgung ging, deutlich.

Dass Gilliam in der heutigen Zeit den prototypischen Faschismus noch einmal in aller Eindringlichkeit auf die Bühne brachte, ist so schwer nicht nachzuvollziehen. Es ist ein künstlerischer Kommentar zum Zustand der Welt, keine differenzierte Aufarbeitung deutscher Historie.

Als Deutscher sollte man sich inzwischen daran gewöhnt haben, dass die Nazis nun mal DIE Faschisten schlechthin sind. Vielleicht sind sie auch ein Klischee, aber doch eines, das man zweifellos wieder ernst nehmen muss.

Fazit: Unterhaltsamer Gilliam, geniale Musik

Von |2018-11-29T22:55:30+00:0019. Juni 2017|Oper|