The Martian

Robinsonaden haben ihre ganz eigene Faszination und das trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihrer limitierenden Prämisse. Ein einzelner Mensch, abgeschnitten von der Zivilisation, ganz auf sich allein gestellt… überlebt … und wird am Ende gerettet. Nun gut, viel passieren kann halt nicht, ist ja keiner da. Viel Dialog gibt’s auch nicht, ist halt keiner da.

Der Fokus muss also ganz auf dem isolierten Subjekt ruhen, das vor sich hin überlebt, Tagebuch schreibt und dabei über sich hinauswächst, quasi hinauswachsen muss. Das dauert natürlich, zwei Wochen überleben kann schließlich jeder. Die Zeitspannen sind deshalb eher Monate und Jahre, wobei das nichts macht, denn viel passieren tut ja nicht (siehe oben), also wird das Wenige, das passiert, in Zeitraffer erzählt, auf einmal steht sie da die Hütte, dann die Aussaat, zwei Sekunden später die Ernte. Dann gibt’s Action, angreifende Monster, Kannibalen, Piraten, ein richtiger Sturm oder ein Feuer, das die Hütte/Ernte/Werkzeuge vernichtet, um anzudeuten, dass es so einfach, wie es in der Zeitraffer aussah, dann doch nicht ist.

Die Wirklichkeit dürfte anders ausgesehen haben. Die meisten Gestrandeten sind wohl schlicht verhungert, in der freien Natur zu überleben, ist, wenn man es nicht gelernt hat, nicht einfach. Geschweige denn, Hütten zu bauen und Getreide anzupflanzen. Den armen Teufeln blieb in der Mehrzahl wahrscheinlich nichts anderes übrig als in Höhlen oder Erdlöchern dahinzuvegetieren, sich von wilden Gräsern und Kadavern verendeter Tiere zu ernähren, bis sie nach wenigen Jahren gottverlassen, ausgelaugt und verzweifelt krepiert sind.

Robinsonaden geben sich mit derlei Horrorszenarien normalerweise nicht ab, stattdessen wird der Triumph des Menschen über die Widrigkeiten der Natur demonstriert, der Homo sapiens, der die Wildnis in die Knie zwingt. Auch Ridley Scotts „The Martian“ macht da keine Ausnahme, die Handlung ist zwar auf den Mars verlegt (wobei, gab’s auch schon, man denke nur an „Robinson Crusoe on Mars“ von 1964), aber davon abgesehen, wird das Thema überraschend klassisch durchexerziert.

Eine Marsexpedtion geht schief, die Astronauten müssen überhastet vom roten Planeten aufbrechen. Zurück bleibt der für tot gehaltene Matt Damon, der das Beste aus der Situation machen muss. Zuerst flickt er sich wieder selbst zusammen, dann baut er Kartoffeln an, dann nimmt er Kontakt mit der Erde auf. Das alles wird ganz nett und unterhaltsam erzählt, vor beeindruckender Marslandschaft. Ein All-American-Hero, der auch in der übelsten Situation noch einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Nun ja, vielleicht ein bisschen zu locker, immerhin sitzt er alleine auf dem Mars und der Rest der Welt denkt, er sei tot, wer ist in einer solchen Situation schon immer gut gelaunt. Die Stärke dieser Filme ist ja eigentlich, dass man mit den Verschollenenen mitleidet (mit Tom Hanks in „Cast Away“ etwa). Aber diese Identifikation fällt schwer, dazu ist der Film einfach zu clean, Matt Damon viel zu sehr damit beschäftigt zu zeigen, dass „man alles schaffen kann, wenn man nur will“, und zwar alleine, ohne die Hilfe von anderen.

Ähnlich wie Sandra Bullock in „Gravity“ wird das Credo unserer Zeit illustriert, dass einem keiner hilft, wenn man sich nicht selber hilft. Die Menschheit ist weit weg, Einzelkämpferqualitäten sind gefragt. Als Zuschauer bleibt man mit dem Gefühl zurück, dass es ganz so einfach dann wahrscheinlich doch nicht ist, auf dem Mars zu überleben.

Fazit: Ganz nett, ideal als Motivationstraining für angehende Manager

The Martian; USA 2015; R: Ridley Scott; D: Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wiig, Kate Mara;

Von |2018-12-01T18:03:26+00:005. November 2015|Film|