The Zero Theorem

Die künstlerische Vision von Terry Gilliam ist immer gewaltig, dafür weiß man nie, was einen erwartet, bevor der Film losgeht. Während sein letztes Projekt The Imaginarium of Doctor Parnassus (2009) eine unterhaltsame Achterbahnfahrt durch märchenhaft bizarre Bilderwelten war, verlangte er einem mit seinem „kleines, sonderbares Mädchen redet mit Puppen“-Vorgänger Tideland (2005) schon einiges an Geduld ab. Die fiktive und fantastische Biographie The Brothers Grimm aus dem gleichen Jahr war dagegen absolut familientauglich und fast schon großväterlich, im Gegensatz zu den abgründig skurrilen Drogenexzessen in Fear and Loathing in Las Vegas (1998).

Sein neuster Film The Zero Theorem wird nun als Abschluss des „Orwellian Triptych“ mit seinem satirisch-düsteren Dystopie-Klassiker Brazil (1985) und der etwas mainstreamigeren Zeitreise-Action 12 Monkeys (1995) als Vorgänger vermarktet. Allzu viele Parallelen gibt es zwischen den Filmen allerdings nicht.

In einer nicht allzu fernen Zukunft arbeitet Qohen Leth (ganz in seinem Element: Christoph Walz) mit Computern. Der Sinn seiner Arbeit erschließt sich weder dem geekigen Qohen noch dem Publikum, sie ist Teil eines großen Ganzen, das er nicht überblickt. Seit Jahren wartet er auf einen Telefonanruf, der ihm die entscheidende Frage nach dem Sinn der Existenz offenbaren soll.

Zuerst die gute Nachricht: The Zero Theorem ist ab Minute eins 120% Terry Gilliam – knallbunt, dieselpunkig und mit vielen absurden Details gespickt, wie einem Lieferpizza-Karton, der einen Jingle spielt, wenn man ihn öffnet. Gilliam zieht in dieser Hinsicht alle Register.

Was allerdings zweifelsfrei fehlt, ist eine Handlung. Es passiert wirklich nicht viel. Detalliert stellt er die Entfremdung von uns selbst in der modernen Gesellschaft dar, aber irgendwie erzählt er dem Zuschauer da Dinge, die er doch schon längst weiß. Dabei trifft er durchaus stellenweise den Nagel auf den Kopf, aber es fehlt die Schärfe, die einen hochschrecken lassen würde. Auch die Auseinandersetzung mit tiefgehenden philosophischen Fragen ist etwas dünn geraten. Das Leben ist also sinnlos, ach was.

Die Satire schlägt deshalb nur zum Teil ein. Man versteht, was er meint, aber es fehlt entweder die intellektuelle Tiefe, die rational überzeugt oder die emotionale Tiefe, die mitreißt. Am Ende bleibt ein gut gemachter esoterischer Zirkus, nett anzuschauen, bei dem aber zu wenig hängen bleibt.

Fazit: Für Fans einen Blick wert, Neueinsteiger sollten zu Phantastik-Meilensteinen wie Time Bandits oder König der Fischer greifen.

„The Zero Theorem“, USA/Romania/France/UK, 2014, D. Christoph Waltz, Lucas Hedges, David Thewlis, Peter Stormare u.a. © 2014 Concorde Filmverleih GmbH

Von |2018-12-01T18:04:33+00:003. Mai 2015|Film|