Birdman

Ein alternder Hollywood-Star, der für seine Jahrzehnte zurückliegende Rolle als Superheld bekannt ist, spielt einen alternden Hollywood-Star, der für seine Jahrzehnte zurückliegende Rolle als Superheld bekannt ist und sich an der Theater-Adaption eines Klassikers am Broadway versucht.

Die Ausgangssituation ist natürlich ein Klischee, das weiß Regisseur, Produzent und Mitautor Alejandro Gonzalez Inarritu, das weiß Ex-Batman Michael Keaton, das weiß natürlich auch seine ehemals als Birdman bekannte Rolle im Film und der Zuschauer vor der Leinwand weiß es sowieso. Man kann sich also zurücklehnen und an den langsam entfaltenden Katastrophen ergötzen. Die Fragen, die herumschwirren, sind natürlich auch Klischees. Haben die Blockbuster-Stars überhaupt Talent? Sind die seriösen künstlerischen Ambitionen von Megastars eigentlich mehr als, nun, Masturbation? Und schließlich: Haben Superhelden-Darsteller wirklich Superkräfte?

Im zu inszenierenden Stück nach einer Kurzgeschichte von Raymond Carver spielen sich alle (u. a. Edward Norton, Naomi Watts) die Seele raus, aber die Kritikerin der New York Times bleibt hart und will das Stück verreißen, ohne dass sie es überhaupt gesehen hat. Dem riesigen Ego der Akteure tut das natürlich keinen Abbruch. Der Jahrmarkt der Eitelkeiten, der hier sarkastisch zelebriert wird, immer direkt am Abgrund, wird dadurch nur angeheizt.

Birdman ist geistreich, witzig und gut gemacht. Er überrascht mit Special Effects, die man in einem solchen Film ganz sicher nicht vermuten würde und beeindruckt mit exzellenten schauspielerischen Leistungen.

Wermutstropfen gibt es aber dennoch, er ist definitiv zu lang und verliert am Ende deutlich an Überzeugungskraft. Der Hollywood-Starkult wird zwar pointenreich auf die Schippe genommen, das würde aber glaubhafter funktionieren, wenn der Film nicht selbst, gerade gegen Ende, so völlig Hollywood wäre.

Zu selbstverliebt wird das Dilemma des Ex-Birdman auseinandergerupft. Auf Teufel komm raus werden Emotionen herausgepresst wie aus einer Zitrone. Der Film will einfach zu sehr, dass man mit seinen Protagonisten mitfühlt und mitleidet.

Die Ironie des Films Birdman ist damit, dass er am gleichen Umstand scheitert wie der Mann Birdman im Film. Der Unüberbrückbarkeit zwischen tosendem Bigger than life und subtiler Wirklichkeit.

Fazit: Erste Hälfte super, zweite naja

„Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, USA, R. Alejandro González Iñárritu D. Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Andrea Riseborough, Emma Stone, Naomi Watts. 20th Century Fox.

Von |2018-12-01T18:00:21+00:001. Dezember 2014|Film|