Snowpiercer

Adaptionen von Mitte-20.-Jhd.-Comics sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu sicheren Kassenmagneten für die Hollywood-Studios geworden und der Boom reißt nicht ab, wie man an den nicht endend wollenden Blockbuster-Franchises „Batman“, „Spider-Man“, „Iron Man“, „Superman“ und „X- Men“ sowie an den neusten Inkarnationen „The Avengers“, „Guardians of the Galaxy“ und „Teenage Mutant Hero Turtles“ sehen kann.

Die internationale Produktion Snowpiercer (gedreht in Englisch) passt nur auf den ersten Blick in dieses Schema, auch wenn die Hauptrollte von Cris Evans („Captain America“) gespielt wird, denn als Vorlage diente kein amerikanisches Supenhelden-Abenteuer, sondern die obskure französische Grapic Novel Le Transperceneige von 1982, die erst letztes Jahr, wohl im Hinblick auf den Film, auf Deutsch und dieses Jahr auf Englisch erstmals erschienen ist. In „Snowpiercer“ gibt es weder Superkräfte noch Übernatürliches in irgendeiner Form, was nicht heißen soll, dass die Prämisse des Films nicht hochgradig phantastisch wäre.

Nach einem fehlgeschlagenen Experiment, das die Klimaerwärmung rückgängig machen sollte, ist die Temperatur auf der ganzen Erde in tiefe Minusgrade gefallen. Alles ist von Eis und Schnee bedeckt. Die letzten Überlebenden der Menschheit hausen zusammengepfercht in einem riesiglangen Zug, der ständig auf einem immer noch intakten Schienennetz den Globus umkreist – wobei nur die Menschen in der hinteren Sektion in elenden Verhältnissen leben müssen, während es sich die Reichen am vorderen Ende gut gehen lassen. Schließlich erheben sich die Massen am Zugende und kämpfen sich Wagon für Wagon immer weiter Richtung Lokomotive vor.

Auf einen solch sozialrevolutionären Unterton wie ihn der Film anschlägt, stößt man heutzutage eher selten, schon gar nicht in Action-Filmen mit hohem Budget. Schon allein das hebt den Film aus der Masse der Comic-Verfilmungen heraus. Gegen Ende wird die Dystopie dann zwar ideologisch deutlich überstrapaziert, etwas mehr Subtilität hätte dem Film da gut getan, aber die Stärke von „Snowpiercer“ liegt sowieso eher in seiner düsteren Atmosphäre, die mitunter an Jeunet und Caro erinnert. Getragen wir das Ganze einerseits von hervorragenden Schauspielern, wie einer furchteinflößenden Tilda Swinton und einem an 1984-gemahnenden John Hurt, andererseits von einer bizarren und brutalen Propaghanda-Film-Ästhetik. Über die Absurdität der Grundidee kann man hinwegsehen, wenn man das Ganze als Parabel akzeptiert, in jedem Fall ist das Ergebnis aber originell.

Fazit: Cooler klaustrophobischer Klassenkampf

„Snowpiercer“, USA/Südkorea, R. Bong Joon-ho, D. Chris Evans, John Hurt, Song Kang-ho, Jamie Bell, Tilda Swinton, Ed Harris u.a. Ascot Elite Home Entertainment.

Von |2018-12-01T17:59:16+00:0030. Oktober 2014|Film|