Oculus

Dass Spiegel mitunter Zauberkräfte entfalten können, flößte uns schon als Dreikäsehochs bei Schneewitchen und Alice in Wonderland Alpträume ein. Wer diesen Gute-Nacht-Geschichten entwachsen ist, der kann mit dem amerikanischen Shocker „Oculus“ einen Gang hochschalten, bei dem es etwas härter zur Sache geht.

Als Kind musste Josh zusammen mit seiner Schwester eine Familientragödie mitansehen. Jetzt, zehn Jahre später, wird er aus der Anstalt als geheilt entlassen. Er hat endlich eingesehen, dass nicht übernatürliche Kräfte seine Eltern auf dem Gewissen haben, sondern dass das nur ein Produkt seiner schuldbeladenen Imagination ist. Als ihn seine Schwester abholt, geht allerdings alles von vorne los. Sie hat den diabolischen Spiegel besorgt, der damals in ihrem Haus hing und ist fest entschlossen mit Kameras und Computern zu beweisen, dass der Spiegel der Grund für die Tragödie war.

Zu Beginn verfolgt man die Handlung mit den eingeschobenen Rückblenden sehr gespannt. Die Figuren (u. a. Katee Sackhoff, Boomer aus Battlestar Galactica) werden sehr glaubwürdig charakterisiert. Besonders interessant fand ich, dass Josh und seine Schwester sich an Dinge unterschiedlich erinnern. Josh, der duch die jahrelange Behandlung versucht alles zu rationalisieren, während die Schwester fest von den übernatürlichen Kräften des Spiegels überzeugt ist.

Allerdings gibt der Film diesen Ansatz sehr schnell auf und reiht stattdessen Schockeffekt an Schockeffekt, wobei man nie genau weiß, was Wirklichkeit ist und was nicht, leider in einer Menge, dass es einem irgendwann egal ist.

Eine weitere Schwäche ist außerdem das etwas treudoofe Vorgehen der Schwester. Wenn ein Zauberspiegel deine Eltern abgeschlachtet hat, warum solltest du ihm dann zehn Jahre später die Gelegenheit geben, das Gleiche auch mit dir und deinem Bruder zu tun? Sicher, sie will beweisen, dass wirklich der Spiegel der Übeltäter war, aber das mit einem Versuchsaufbau zu probieren, der tendenziell sowohl den Spiegel als auch sie und ihren Bruder um die Ecke bringen kann, ist einfach unverzeihliche Horror-Film-Logik.

Unterhaltsam ist der Film aber trotz des „Das hätt ich dir gleich sagen können“-Handlungsverlaufs allemal.

Fazit: Netter Standard-Grusler.

„Oculus“, USA 2014, Regie: Mike Flanagan, D. Karen Gillan, Brenton Thwaites, Katee Sackhoff, Miguel Sandoval u.a. Universum Film / SquareOne Entertainment

Von |2018-12-01T17:55:32+00:006. September 2014|Film|