Doctor Who

Ein verschrobener Außerirdischer reist durch Raum und Zeit. Stets bereit, überall, wo er einen Stop einlegt, irgendjemand in Not zu helfen, das Böse zu besiegen. Begleitet wird er von einem oder zwei Gehilfen, die er mehr oder weniger zufällig auf seinen Reisen aufsammelt. Warum er das tut, ist nicht ganz klar, denn das Einzige, was diese Gehilfen machen, ist, ständig dusselige Fragen zu stellen und in praktisch jeder Folge in Schwierigkeiten zu geraten, aus denen sie befreit werden müssen.

Von jedem, der ihn fragt, lässt sich der Außerirdische einfach nur „Doctor“ nennen. Vielleicht liegt hier der Grund, warum die Serie in Deutschland nie so wirklich abgehoben hat, denn wie und in welchem Fach dieser akademische Titel erworben wurde, bleibt seit 50 Jahren das Geheimnis des geheimnivollen „Doctors“. Sicher ist, dass er sich auf quasi allen Gebieten gut auskennt.

Auch sein Gefährt, die TARDIS, löst in Deutschland eher fragendes Stirnrunzeln aus, ist es doch eine inzwischen selbst in Großbritannien selten zu sehende, blaue Notruf-Telefonzelle, die innendrin allerdings sehr viel geräumiger ist, als man von außen hätte erwarten können.

Mit diesen Basis-Infos könnte man sich als Unbedarfter wohl schon ins Abenteuer, d. h. auf die neueste Staffel, stürzen. Allerdings ist die Gefahr groß, dass man sich wie auf einer Geburtstags-Party vorkommt, wo man niemand kennt, obwohl der Typ, mit dem man in der Warteschlange vorm Klo ins Gespräch gekommen ist, sich alle Mühe gibt, einem möglichst viele Gäste vorzustellen.

Besteigen wir also die TARDIS, schrubben wir mit einer Glasscherbe eine Klaviersaite rauf und runter (das ist der Soundeffekt bei der Zeitreise) und transportieren wir uns ins Jahr 1963. Folge 1. An Unearthly Child.

Barbara und Ian sind Lehrer an einer Londoner Schule und recht verwundert über eine ihrer neuen Schülerinnen, Susan Foreman. Sie ist offensichtlich äußerst begabt, weiß erstaunlich viel über Naturwissenschaften und Geschichte, kennt aber gleichzeitig die einfachsten Dinge nicht. Die beiden Lehrer beschließen der Sache auf den Grund zu gehen und folgen Susan heimlich nach Hause. Sie sehen, wie sie ein Gebäude auf einem Schrottplatz betritt und folgen ihr kurzerhand. Innendrin sehen die beiden einen seltsam angezogenen, alten Mann, der eine „Police Box“-Telefonzelle aufschließt, die dort herumsteht. Als er sie bemerkt, reagiert der Alte sehr ungehalten und gibt ihnen sehr unfreundlich zu verstehen, dass sie hier nichts zu suchen hätten. Da ertönt Susans Stimme aus der Telefonzelle und die beiden stürzen hinein.

Das Innere ist allerdings zu ihrem größten Erstaunen eine Art riesiges Raumschiff. Susan ist tatsächlich dort und sehr überrascht, ihre beiden Lehrer zu sehen. Der Alte ist wenig begeistert von dieser Entwicklung und sagt den beiden unverblümt, dass er sie nicht einfach gehen lassen könne, jetzt wo sie das Schiff gesehen hätten.

Susan und er seien Wanderer in der vierten Dimension. Sie kämen aus einer fernen Zukunft und von einem anderen Planeten. Sie befänden sich hier in der TARDIS, kurz für Time and Relative Dimensions in Space, einer Zeitmaschine. Susan bittet ihren Großvater die beiden doch gehen zu lassen, doch bevor sie noch etwas tun kann, legt der einen Hebel um und die TARDIS wird wild hin und her geschleudert. Als Ian und Barbara wieder zu sich kommen, steht die TARDIS in einer öden Landschaft irgendwann in der Steinzeit. Ende der ersten Folge.

Es stellt sich heraus, dass der „Doctor“ die TARDIS nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt und Ort bringen kann, sondern immer auf gut Glück drauflos fliegen muss. Der Grund für seine Unkenntnis wird ebenfalls in einer späteren Staffel erwähnt, der undurchsichtige Doctor hat die TARDIS nämlich geklaut.

Es wird deshalb Jahre dauern, bis Ian und Barbara mit einer ganz anderen Zeitmaschine auf die Erde der Jetztzeit zurückehren können, noch vorher wird Susan sich in einen Freiheitskämpfer verlieben und die TARDIS für immer verlassen (Dem Doctor werden dann andere Gehilfen zur Seite stehen). Bis dahin werden sie allerdings jede Menge gefährliche Abenteuer in den verschiedensten Zeitepochen und Umgebungen erleben.

Kehren wir aber zunächst zum Anfang zurück. Nachdem die vier an ihrem ersten Reiseziel noch unterbelichteten Urmenschen bei der Entdeckung des Feuers helfen, geht es schon beim zweiten Halt so richtig zur Sache. Dort treffen sie auf die Daleks, künstliche Mutanten-Cyborg-Monster, die den friedliebenden Thals den Garaus machen wollen.

Das Roboter-Äußere der Daleks, das Uneingeweihte heutzutage unter Umständen an zu groß geratene Tretmülleimer erinnert, zusammen mit ihren elektronisch verzerrten Stimmen machte sie zu Kultfiguren und bis heute zu den ultimativen Megabösewichten des Doctor-Who-Universums. Ihr nerviger Schlachtruf „Exterminate“ ist aus der britischen Pop Culture nicht mehr wegzudenken.

Bei diesem ersten Treffen werden die Daleks noch besiegt, aber schon bald darauf (Staffel 2) tauchen sie wieder auf und dieses Mal, um die ganze Menschheit zu vernichten. Was ihnen natürlich nicht gelingt, aber sie probieren es weiter. Von den derzeit fast 800 Folgen der Serie widmen sich 97 den Daleks, dazu kommen noch zwei von Fans ignorierte Kinofilme mit Peter Cushing als Doctor: „Dr. Who and the Daleks“ (1965) und „Daleks: Invasion Earth: 2150 A.D.“ (1966). Trotzdem liegt ein endgültiger Sieg über die Daleks nach wie vor in weiter Ferne.

Die Gesundheit des ersten Doctor-Who-Darstellers William Hartnell verschlechterte sich in den ersten drei Produktionsjahren zusehends, in manchen Folgen mussten deshalb sogar Szenen mit einem Double besetzt werden. Da der Erfolg der Serie aber ungebrochen war, entschied man sich den Hauptdarsteller auszuwechseln und, das ist der entscheidende Punkt, diesen Wechsel in die Handlung zu integrieren.

Am Ende des Abenteuers „The Tenth Planet“ in dem die ebenfalls ikonenhaften Cybermen, die emotionslosen Cyborg-Bewohner des zehnten Planeten des Sonnensystems, als Gegner der Menschheit eingeführt werden, ist der Doctor so geschwächt, dass er zu Boden stürzt und kollabiert. Seine Gehilfen können nur hilflos zusehen und mit Erstaunen feststellen, dass er sich in eine andere Person verwandelt.

Als er sich in der nächsten Folge erhebt, ist aus dem weißhaarigen, alten Mann mit behaglichem Großvatercharisma ein ziemlich überdrehter Exzentriker geworden, der ein Tramp-Outfit miefigen Roben vorzieht und nie um ironische Kommentare verlegen ist. Der zweite Doctor, Patrick Troughton, war wohl mit voller Absicht das genaue Gegenteil seines Vorgängers und obwohl Hartnells Doctor eigentlich das Original ist, legte Troughtons aufgekratzte Art zweifellos den Grundstein für die nachfolgenden Doctor-Generationen.

Die „Regeneration“ wurde schnell ein integraler Bestandteil der Doctor-Who-Figur und machte die problemlosen Neubesetzungen der Hauptrolle in den folgenden Jahrzehnten möglich. Inzwischen bringt es die Serie auf 11 verschiedene Doctors.

Troughton gab das Zepter ebenfalls nach drei Jahren ab. Am Ende seines letzten Abenteuers „The War Games“ wird er von seiner eigenen Rasse, den mächtigen Time Lords vom Planeten Gallifrey, die darüber wachen, dass Zeitreisen nicht missbraucht werden, als Strafe für seine Insubordination zur erneuten Regeneration gezwungen und alleine auf die Erde verbannt. Ein Schritt, der notwendig geworden war, da die BBC das Budget der Serie kürzte.

Die nächste Staffel, die 1970 anlief, war daher in vieler Hinsicht ein Neustart. Die Serie war nun in Farbe und während der Doctor mit Gefolge vorher wild in Raum und Zeit herumsauste, Antike, Mittelalter und die Zukunft wieder ins Lot brachte, wobei ferne Planeten vom Joch infernalischer Pappmonster befreit wurden, saß der dritte Doctor, Jon Pertwee, nun die meiste Zeit auf der Erde fest. Auch er etablierte wieder einen neuen Doctor-Typus, im Gegensatz zu den eher zweidimensionalen, oft comichaft verzerrten beiden ersten Doctor-Inkarnationen, versuchte er seinem Doctor eine gewisse menschliche Tiefe zu verleihen, wozu auch durchaus gehörte, dass er sich selbst mit den Schurken prügelte. Erhalten blieb allerdings, wie bei den nachfolgenden Doctors auch, ein extravagantes Outfit, in seinem Fall Rüschenhemden mit Dandy-Umhang.

Der Fokus der Handlung lag nun auf außerirdischen Gefahren für die Erde, die der Doctor zusammen mit einer Organisation namens UNIT abwehren musste. Durch diese Konstellation wurden auch die Gehilfen interessanter und entwickelten sich von reinen Stichwortgebern nun zu individuelleren Mitstreitern.

Bestes Beispiel hierfür ist die selbstbewusste Journalistin Sarah Jane Smith, die wohl beliebteste Gehilfin über die Jahre. Gleich beim ersten Treffen sagt sie dem Doctor, dass sie nicht hier sei, um ihm Kaffee zu kochen und bei der nächsten Mittelalterzeitreise vermittelt sie den Frauen dort feministische Grundsätze.

Den Höhepunkt ihrer Beliebtheit erreichte die Serie jedoch ab 1974 mit dem nächsten Doctor, Tom Baker. Wieder wurde alles anders. Die Verbannung zur Erde war schon zu Pertwees Zeiten zuerst gelockert und dann aufgehoben worden, sodass Doctor Nummer 4 ungehindert loslegen konnte. Baker gab dem Doctor einen ambivalenten Touch, die flatterhafte, launische Art eines Bohemien. Diese Inkarnation war unberechenbarer, sprunghafter, schlicht seltsamer und außerirdischer als sein eher vernünftiger Vorgänger, aber auch leidenschaftlicher. Sein Markenzeichen war der überlange, bunte Schal und in späteren Folgen der Robot-Hund K-9.

Tom Baker hatte die bis heute längste Amtszeit mit 172 Episoden bis 1981 und die im Durchschnitt höchsten Einschaltquoten aller Doctors. In seine Ära fiel auch der Klassiker „City Of Death“, in dem Außerirdische die Mona Lisa stehlen wollen, wobei sie sie schon 6 Mal haben. Zeitreisende können halt tolle Sachen machen. Kultautor Douglas Adams schrieb an dem Skript mit, was unschwer an dem absurden Humor (mit der Stadt im Titel ist Paris gemeint) zu erkennen ist. Darüber hinaus gibt es einen Kurzauftritt von John Cleese (Monty Python). Die richtigen „Whovians“ haben mit dieser Story allerdings so ihre Probleme, wer es also etwas typischer mag, dem sei aus dieser Ära „The Talons of Weng-Chiang“ als Einstieg empfohlen, wo chinesische Variete-Künstler im Viktorianischen London morden (und Schlimmeres).

Bei der Nachfolge des charismatischen Baker entschied man sich wieder für einen radikalen Charakterwechsel. Das Rennen machte der blonde Peter Davison, der mit 30 Jahren bis dahin mit Abstand jüngste Doctor Who. In Deutschland ist er als etwas anderer Doktor bekannt, nämlich aus „Der Doktor und das liebe Vieh“.

Davison hatte eine Aura von „Upper Class“, ein Doctor aus gutem Hause mit einer gewissen sensiblen Ader. Das klingt vielleicht nicht ganz so spannend, aber Doctor Nummer 5 genießt bis heute den vollen Respekt der Fangemeinde. Sein letztes Abenteuer „The Caves of Androzani“ von 1984, in dem intrigante Industriebosse und brutale Waffenschmuggler sich um halluzinogenen Fledermaus-Dreck streiten, wird regelmäßig zum besten Doctor-Who-Abenteuer aller Zeiten gewählt, wobei ich es nicht unbedingt als Einstieg in die Serie empfehlen würde.

Doctor Nummer 6, Colin Baker, war passend zu den Mitt-Achtzigern dann knallbunt, laut und unsensibel. Mit den Einschaltquoten der Serie ging es allerdings zu dieser Zeit massiv bergab, was zunächst zu einer 18-monatigen Pause führte und dann zu der Entscheidung, Colin Baker bereits nach 2 Jahren regenerieren zu lassen.

Auch Colin Baker hat seine Sache allerdings durchaus nicht schlecht gemacht und er ist einer meiner persönlichen Lieblingsdoctors, vor allem aufgrund der Hörspiele mit ihm, die seit Ende der 90er von Big Finish produziert werden, und die für mich die erste intensivere Begegnung mit Doctor Who überhaupt waren.

Der letzte Doktor der Original-Serie war dann ab 1987 Sylvester McCoy. Mit seinem Panama-Hütchen und Regenschirm hatte er was von einem heiteren Junggesellen, wobei das bisweilen täuschte. Seine Gehilfinnen waren zuerst eine Computer-Programmiererin und dann ein Teenager, der sich mit Sprengstoff gut auskannte.

In Deutschland wurde Doctor Who zu dieser Zeit zum ersten Mal gesendet und zwar von RTL, wobei keine alten Folgen gezeigt wurden, sondern nur die des aktuellen Doctors Nummer 7, was beim deutschen Publikum keinen bleibenden Eindruck hinterließ.

Die Einschaltquoten waren aber auch im Heimatland der Serie inzwischen miserabel, sodass sich die BBC 1989 entschied, die Serie nach 26 Jahren einzustellen. Danach war erst mal Schicht im Schacht. Die 90er und ersten Nullerjahre waren für Doctor-Who-Fans eine ausgesprochene Saure-Gurken-Zeit.

1996 wagte sich zwar eine amerikanische Produktionsfirma an einen Fernsehfilm mit Option auf eine Serie, allerdings mit überschaubarem Erfolg. In Großbritannien saßen zwar recht ordentliche Zuschauerzahlen vor der Kiste, aber in den USA kam der Film nicht an und damit fiel die Produktion einer neuen Serie flach. Trotz einiger Änderungen hielt sich der Film an die Prämissen der Original-Serie. Doctor Nummer 8 war Paul McGann, ein britischer Schauspieler, der das Produkt der Regeneration ist, nachdem Sylvester McCoy, Doctor Nummer 7, niedergeschossen wird. Danach muss sich der Doctor mit seinem Erzfeind „The Master“ herumschlagen, der ihm schon seit 1971, in seiner dritten Inkarnation, das Leben schwermachte.

Obwohl McGann nur in diesem Film auftritt, ist Nummer 8 doch von entscheidender Bedeutung, war er doch der amtierende Doctor bis 2005. Er bot den auf dem Trockenen sitzenden Doctor-Who-Fans Labsal in Romanen, Comics und Hörspielen. Mit dem achten Doctor gibt es zusammengerechnet mehr Geschichten als von jedem der anderen Doctors. Die Hörspiele mit ihm sind tatsächlich nicht schlecht. Den Fernsehfilm muss man hingegen nicht unbedingt gesehen haben.

Um zu verstehen, was als Nächstes geschah, muss man sich klarmachen, dass Doctor Who in Großbritannien schon zu diesem Zeitpunkt nicht einfach eine Science-Fiction-Serie für Kinder war, der nur Nostalgie-Fans nachtrauerten. Doctor Who war Teil der Popular Culture geworden. Man könnte sagen, eine Tradition und nichts liebt der Brite mehr als Tradition.

Analog zu den Trekkies gab und gibt es ganze Heerscharen von Fans, die sich im Doctor-Who-Universum besser auskennen als in der realen Welt, die Theorien entwickeln, um die hanebüchenen Kontinuitäts- und Logikfehler der Serie in elaboriert versponnenen Gedankenkonstrukten zu versöhnen und für die die Frage, wer der nächste Doctor Who werden wird, wirklich wichtig ist. Als Außerstehender mag man sich fragen, ist das nicht alles der totale Trash, sind viele der alten Folgen nicht richtig langatmig, die Monster lächerlich, Handlungsabläufe formelhaft mit Dialogen aus der Hölle? Ja, ja, ja, ja und ja, ABER betrachtet man Doctor Who als Ganzes, als Gesamtkunstwerk, als das Produkt einer Linie von Produzenten, Autoren, Darstellern und ganz wichtig, Generationen von Fans, die alle gemeinsam seit 50 Jahren diese riesige Welt mitgestalten, dann wird sie zu etwas tatsächlich Großartigem.

Als die BBC sich daran machte, 2005 endlich eine neue Serie zu produzieren, wurde sie nun von Menschen erdacht, die mit Doctor Who groß geworden waren, die ihren Lieblingsdoctor, ihren Lieblingsgehilfen, ihr Lieblingsmonster und ihr Lieblingsabenteuer hatten. Die neue Serie war deshalb auch kein Remake, Reboot, Sequel oder Prequel. Die neue Zählung, die wieder bei Staffel 1 anfing, ist eigentlich irreführend, den die Serie wurde nach 16 Jahren einfach mit Doctor Nummer 9 weitergeführt, sogar die Musik blieb gleich.

Christopher Eccleston war zwar bei seinem Äußeren zurückhaltender als seine Vorgänger, wenn er sich aber in Folge 1 seiner zukünftigen Gehilfin Rose (Billie Piper) mit den Worten „I’m the doctor by the way, run for your life“ vorstellt, ist klar, dass der überdrehte, ironische Time Lord wieder da ist. Die Rolle der Gehilfin wurde in der neuen Serie gestärkt, um eine Identifikationsfigur für neue Zuschauer zu schaffen. Billie Piper, die schon vor der Serie als Popstar bekannt war, war dem Doctor als Person absolut ebenbürtig.

In der ersten Folge kommt es auch sofort zum Kampf mit altbekannten Gegnern, den Autons, vom außerirdischen Nestene Consciousness kontrollierte Schaufensterpuppen, die schon beim Einstand von Doctor Nummer 3 dabei waren. Auch bis das altbekannte „Exterminate“ der Daleks ertönte, mussten sich die Fans nur bis Folge 6 gedulden. Trotzdem sprühte die neue Serie nur so vor Ideen. Das alte Format, das aus 25-minütigen Episoden bestand, wobei jeweils 4 oder mehr Episoden eine abgeschlossene Geschichte bildeten, wurde durch 45-minütige Folgen ersetzt, die meist in sich abgeschlossen waren. Der Drive der Serie sprach so auch das jüngere Publikum des neuen Zeitalters an.

Die Serie war sofort nach ihrem Revival ein voller Erfolg. Eccleston verließ die Serie trotzdem bereits nach der ersten Staffel, wohl aus Angst, man könnte ihn auf die Rolle festnageln, und machte Doctor Nummer 10 Platz: David Tennant.

In der neuen Serie ist deutlich spürbar, dass jeder Doctor-Darsteller genau weiß, wer Doctor Who ist, inklusive der langen Entwicklung, die der Charakter genommen hat. Jeder neue Doctor Who kann daher für sich selbst bestimmte Nuancen herausarbeiten, ohne der Figur als solcher untreu zu werden. Während Eccleston in manchen Augenblicken heiter und aufgedreht ist und in anderen ernst, Schuld beladen und entschlossen und beides immer klar getrennt scheint, kam bei Tennant viel mehr raus, dass die Heiterkeit nur als Fassade diente, was ihn dunkler, aber auch authentischer machte.

In den vier Jahren unter David Tennant entwickelte sich die Serie (wieder) zu einem Phänomen und war auch im Ausland äußerst erfolgreich. In Doctor-Darsteller-Rankings ist er regelmäßig ganz oben mit dabei.

Inzwischen gehören auch die Berichte und Spekulationen um neue Doctors und Gehilfen wieder zu den Top-Themen in der Yellow Press. Für echte Fans gibt es angefangen von Tassen und Schlüsselanhängern bis hin zu Dalek-Weckern und Doctor-Who-Monopoly-Editionen alles, was die beiden Herzen eines Time Lords begehren.

Als David Tennant in der Folge „School Reunion“ die alte 70er-Jahre-Gehilfin Sarah und Tom Bakers Roboter-Hund K-9 wiedertraf, führte das zu zwei erfolgreiche Spin-Off-Serie („The Sarah Jane Adventures“ und „K-9“). Eine weitere Spin-Off-Serie war ab 2010 „Torchwood“, in der sich das gleichnamige Institut um die Abwehr außerirdischer Angriffe kümmerte.

2010 wurde es dann Zeit für Matt Smith, den elften Doctor, der den Charakter wieder etwas undurchsichtiger, vielleicht auch erwachsener machte. Der erste Doctor-Who-Darsteller übrigens, der für einen BAFTA Award nominiert wurde. Smith hat seinen Weggang bereits angekündigt und wird Ende dieses Jahres zum letzten Mal als Doctor zu sehen sein.

So, ich denke, das war es erst mal mit der Vorstellung der Partygäste. Natürlich fehlen da noch etliche, oh, da ist noch ein Silurian, die haben die Erde bewohnt, bevor sich die Menschheit entwickelt hat, sind dann in Tiefschlaf gefallen und erst kürzlich wieder aufgewacht und da ist noch ein kriegerischer Sontaran und der hier ist… aber egal, die Zahl der verschiedenen Aliens geht in die Hunderte, das würde zu lange dauern. Die da mit dem riesigen Messer ist Leela, Gehilfin von Doctor Nummer 4. In der fernen Zukunft stürzte ein Raumschiff von der Erde auf einem fernen Planeten ab, die Nachkömmlinge der Besatzung entwickelten sich zu wilden Steinzeitkriegern zurück, Leela ist aber ganz nett. Aber Gehilfen („Companions“) gibt es natürlich auch so 30 oder 40 und da sind die Romane, Comics und Hörspiele noch nicht mal dabei.

Nach 50 Jahren hat die Serie natürlich einen gewissen Insider-Anspruch, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Bei der am längsten laufenden Science-Fiction-Serie der Welt bekommt man Dinge zu sehen, die es nirgendwo sonst gibt!

Letzte Meldung: Mit großem Tamtam wurde Peter Capaldi zum Doctor Nummer 12 gekürt. Der Mann ist seit seiner Mitwirkung in der Serie „The thick of it“ in GB absoluter Kult. Davon abgesehen ist er seit seiner Kindheit ein echter Fan der Serie, schrieb in den Siebzigern u.a. Fanzine-Artikel über die Reihe und war zuletzt als ‚W.H.O.‘-Doctor in „World War Z“ zu sehen. Eine SEHR vielversprechende Wahl!

Von |2018-12-01T17:47:03+01:004. August 2013|Serie|