H.G. Francis

Man darf H. G. Francis wohl ohne Übertreibung als Sandmann der Nation bezeichnen. „Sandmann“ deshalb, weil seine Hörspiele bis heute von vielen Tausenden (und keineswegs nur von Kindern) zum Einschlafen gehört werden. Die von ihm geschriebenen Hörspiele verkauften sich 120 Millionen mal und viele sind bis heute noch auf dem Markt.

Seine Karriere als Schriftsteller begann in den 60ern mit Science-Fiction-Romanen, sehr schnell schrieb er dann bei den SciFi-Heftserien Mark Powers und Ren Dhark mit und war Hauptautor der Reihe Rex Corda (alles Konkurrenz-Serien zu Perry Rhodan). Ab Anfang der 70er war er dann über den Umweg der Schwesterserie Atlan bei PerryRhodan selbst als Autor mit dabei.

Zum Kult wurde H. G. Francis aber erst durch die Hörspiele, die er ab Mitte der 70er schrieb. Seine ersten Hörspiele waren 1976 für Europa die drei Teile von „Kung Fu“ mit Horst Frank in der Hauptrolle, eine Serie, die sich an den Erfolg der gleichnamigen TV-Serie mit David Carradine anhängte.

Noch im gleichen Jahr folgten die ersten Hörspiele um Commander Perkins, die erste SciFi-Hörspiel-Serie, die speziell für ein junges Publikum konzipiert worden war und bis heute eine Kultgefolgschaft hat. Der Dimensionsbrecher, der verwendet wurde, um den Planet der Weganer zu besuchen, schaffte es über Roland Emmerich sogar als Stargate nach Hollywood.

Neben vielen anderen Abenteuerhörspielen, zumeist Adaptionen von Jules Verne, schrieb H. G. Francis 1976 für Europa auch „Das Gespenst vom Schloßhotel“ und 1977 „Nessie – Das Ungeheuer von Loch Ness“, in dem die Figuren Tom Fawley und Eireen Fox (gespielt von Horst Frank und Brigitte Kollecker) ihren ersten Auftritt hatten – der Auftakt für die Europa-Gruselserie. Kurz darauf folgte dann „Frankensteins Sohn“ und 1979 „Dracula trifft Frankenstein“.

Erwähnenswert sind auch die SciFi-Hörspiele, die 1978 unter dem Pseudonym Peter Bars beim Konkurrenzlabel maritim erschienen, wie „Das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks“ und die Dreiteiler „Die Zeitmaschine“ (inspiriert von den Theorien Erich von Dänikens) und „Science Fiction Dokumente“.

So richtig erfolgreich waren dann aber die Drei ???-Hörspiele, die ab 1979 bei Europa erschienen und die allesamt (bis Folge 60) von H. G. Francis auf Basis der Bücher adaptiert wurden. Die ersten 33 Folgen erhielten alle eine goldene Schallplatte (für über 250 000 verkaufte Exemplare), die Folgen Superpapagei, sprechender Totenkopf und Gespensterschloss sogar Platin (für über 500 000 verkaufte Exemplare). Ab 1981 folgte dann die Serie TKKG mit ähnlich guten Verkaufszahlen.

Für das Label Kiosk schrieb er außerdem 1980/81 unter dem Pseudonym Dick Farlow die ersten sechs Folgen der langlebigen SciFi-Reihe „Jan Tenner“, deren hoher Trash-Faktor bis heute von Fans geschätzt wird.

1981 und 1982 wurden auch die restlichen Hörspiele der Gruselserie produziert, die alten Folgen wurden mit ihnen zusammen im neuen Gewand (Neongrün und Neopink) wiederveröffentlicht. Die Hörspielreihe ist heutzutage Kult, brachte sie doch den vorpupertären Hörern (offizielle Altersfreigabe: ab 14) viele der Stoffe der klassischen Grusel- und Science-Fiction-Filme nahe. So tummelten sich neben Nessie, Dracula und Frankenstein auch Riesenameisen und -spinnen, Mumien, Weltraummonster, Zombies, Werwölfe, Meeresungeheuer und jede Menge verrückter Wissenschaftler in alten Spukschlössern und an anderen gruseligen Orten.

Auch die auf den Action-Figuren Masters of the Universe basierende Serie, die 1984 bis 1988 produziert wurde, hat bis heute ihre Fans. Die Handlung wurde damals nicht von Mattel vorgegeben, sondern von H. G. Francis frei erfunden.

Insgesamt verfasste er über 600 Hörspiele, 130 davon erreichten Gold, 6 Platin. Berührungsängste mit anderen Genres waren ihm fremd, so schrieb er auch Barbie- und Wendy-Hörspiele und erdachte unter dem Pseudonym R. C. Quoos Rabe (mit dem er seinem Lieblings-Mathelehrer ein Denkmal setzen wollte) neue Folgen für die Fünf Freunde.

Als sich Anfang der 90er die Hörspiele nicht mehr so gut verkauften, wandte er sich verstärkt anderen Projekten zu, so schrieb er etwa für die Pferde-Teenie-Zeitschrift „Lissy“. Auch Bücher verfasste er bis zuletzt, seine letzten waren von 2006 bis 2009 vier historische Romane unter dem Pseudonym Hans G. Stelling.

Hans Gerhard Franciskowsky starb am 3. November 2011, im Alter von 75 Jahren in Hamburg.

Von |2018-11-30T18:31:53+00:0019. Dezember 2011|Feature|