Planet der Affen

1988 wurden die ‚Planet-der-Affen‘-Filme zum ersten Mal im deutschen Fernsehen gezeigt. Die Filme liefen im ZDF, in der Reihe ‚Der fantastische Film‘ im vierwöchigen Abstand unter der Woche nachts – und damit vom ‚Schwarzwaldklinik‘-Publikum größtenteils unbemerkt. Für Science Fiction begeisterte 13-Jährige wie mich hingegen waren sie eine Offenbarung – auch wenn ich den Hype um fast 20 Jahre verpasst hatte.

Die Affen-Filme waren anders als alles, was ich bis zu diesem Zeitpunkt kannte. Schon ganz am Anfang, als Charlton Hestons Charakter sagt: „Wenn ich so aus dem Fenster blicke, dann beginne ich zu glauben, dass Zeit und Raum endlos sind“. So etwas wäre nie über Captain Kirks Lippen gekommen. Hätte Scotty so etwas gesagt, hätte Kirk ihn geohrfeigt und gebrüllt „Komm zu dir, du fantasierst, wir müssen den Sol-Antrieb überbrücken, sonst sind wir alle verloren.“

Das Volk der Affen war ein Mikrokosmos für sich, eine voll entwickelte, ambivalente Gesellschaft, mit Sitten und Gebräuchen, die in sich stimmig waren. Keine gesichtslosen „kommunistischen“ Zylonen, die man vernichten muss, bevor sie einen selbst vernichten. Und auch kein dunkles Imperium mit Soldaten in Nazi-Uniform. Ebenso wenig waren die Astronauten um Charlton Heston die Heilsbringer für eine primitive, außerirdischen Kultur, auf deren Planet sie gelandet waren, um sie vom Joch eines autoritären Herrschers zu befreien. All das fehlte.

Die Kultur der Affen war ein ironisches Spiegelbild unserer eigenen. Daher war das Böse nicht so einfach auszumachen, geschweige denn zu besiegen. Die Affen töteten Menschen zum Spaß, experimentierten mit ihnen, stopften sie aus und stellten sie in Schaukästen. Aber aufgrund der vertauschten Rollen waren diese Gräueltaten eben nicht böse, sondern absurde Normalität.

Die Vorlage für den ersten Film der Reihe Planet der Affen von 1968 war der gleichnamige Roman des französischen Autors Pierre Boulle, von dem auch die Vorlage für den Film „Die Brücke am Kwai“ stammt. Der Film handelt von drei Astronauten, die auf einem fernen Planeten mit ihrem Raumschiff abstürzen. Auf dem Planeten treffen sie auf eine Gesellschaft hochentwickelter, sprechender Affen, die Jagden auf die dort lebenden Menschen veranstalten. Menschen können dort nicht sprechen und werden von den Affen wie Tiere behandelt. Als der Astronaut Taylor (Charlton Heston) gefangen wird, wird die Tatsache, dass er sprechen kann, zur Bedrohung der durch religiöse Dogmen beherrschten Affengesellschaft.

Der Film hielt sich überraschend genau an den Roman, was wahrscheinlich zu einem Großteil auch dem Drehbuchautor Rod Serling zu verdanken ist (der u. a. auch für die Kult-Serie „The Twilight Zone“ verantwortlich war). In Serlings ursprünglichem Entwurf sollte die Welt der Affen sehr viel moderner und damit unserer sehr viel ähnlicher sein – so ist es auch im Roman. Allerdings entschied man sich aus Kostengründen für eine vorindustrielle Affengesellschaft. Ein anderer großer Unterschied zum Buch stammte von Serling selbst. Während im Roman der letzte überlebende Astronaut zur Erde zurückkehrt und feststellen muss, dass auch dort die Affen die Herrschaft übernommen haben, findet im Film Charlton Heston am Ende die Überreste der Freiheitsstatue und begreift, dass er die ganze Zeit auf der Erde gewesen ist (Natürlich hätte ihm das auch schon früher kommen können, schließlich reden alle Affen Englisch) – die Szene ist jedenfalls eine der Ikonen der Science-Fiction-Filmgeschichte.

Der zweite Teil Rückkehr zum Planet der Affen von 1970 hatte dann das Problem eine Fortsetzung aus dem Hut zaubern zu müssen, wo eigentlich alles gesagt war. Dazu begab man sich wieder auf mehr altbekanntes Science-Fiction-Terrain. Wieder stürzt ein Raumschiff von der vergangenen Erde auf dem Planeten der Affen, also der zukünftigen Erde, ab, der einzige Überlebende ist der Astronaut Brent, gespielt von James Franciscus, ein recht unbekannter Mime, der allerdings Charlton Heston einigermaßen ähnlich sah, welcher für diesen Teil nur noch für eine kleine Nebenrolle zur Verfügung stand.

Auf der Suche nach den Astronauten der ersten Expedition gerät Brent, nachdem er den Affen entkommen ist, in das durch die nukleare Katastrophe zerstörte New York, begegnet dort einer Rasse mutierter Menschen, die sich telepathisch verständigen und eine potentiell weltvernichtende Atomrakete als ihren Gott verehren. Am Ende darf dann der wiedergefundene Charlton Heston den roten Knopf drücken, der die Rakete zündet und die Erde zerstört. Der trashigste Teil der Serie.

Im nächsten Teil Flucht vom Planet der Affen, der ein Jahr später entstand, gelingt es drei Affen kurz vor der Vernichtung ihres Planeten das Raumschiff von Taylor wieder flottzumachen und damit in den Weltraum zu flüchten, um dann (irgendwie) in der Zeit zurückzureisen. Der Film beginnt, als sie im Amerika der Jetztzeit (also den 70ern) wassern. Zuerst werden die sprechenden Affen zwar Medienstars und sind allgemein beliebt, aber als herauskommt, dass die Äffin Zira schwanger ist, hat man Angst, dass damit die Umgestaltung der Erde zum Planet der Affen ihren Anfang nehmen könnte. Am Ende des Films werden die Affen beim Versuch, ihr Kind zu retten, erschossen. Klappe zu, alle Affen tot, doch halt – ein Zirkusdirektor hat das Affenkind vorsorglich ausgetauscht und in der letzten Szene sieht man das kleine Affenbaby in seinem Käfig sitzen, wie es „Mama, Mama“ sagt.

Damit stand der Eroberung vom Planet der Affen nichts mehr im Wege. Die vierte Fortsetzung spielt 20 Jahre später. In einem autoritären Polizeistaat werden Menschenaffen als Sklaven gehalten. Caesar, das überlebende sprechende Affenbaby, ist inzwischen erwachsen und entsetzt über die Behandlung seiner Artgenossen, die auf brutale Weise abgerichtet werden. Als sein väterlicher Freund, der Zirkusdirektor aus dem vorherigen Teil, während eines Polizeiverhörs Selbstmord begeht, um Caesar nicht zu verraten, beschließt der eine Revolte anzuzetteln. Der politischste Film der Reihe, besonders im Gedächtnis bleiben die Folterszenen und wenn die Affenmassen die Stadt einnehmen und ihre Peiniger abschlachten.

Den Abschluss bildete dann 1973 Schlacht um den Planeten der Affen, der den Kreis schloss. Die Revolte der Affen hat einen nuklearen Krieg ausgelöst. Affen und Menschen leben zusammen in einer postnuklearen Welt, mit den Affen als Herrschern. Im verseuchten New York mutieren allerdings die Typen vor sich hin, die dann im zweiten Teil fertigmutiert sind. Diese fangen einen Krieg mit den Affen und den mit ihnen verbündeten Menschen an. Am Ende sieht man allerdings die Zukunft in 500 Jahren, wo Affen und Menschen friedlich und gleichberechtigt miteinander leben. Seufz.

Obwohl auch der letzte Affen-Film noch recht erfolgreich war, entschloss man sich, keine weiteren Filme zu produzieren. Das war wahrscheinlich dem ständig sinkenden Budget der Fortsetzungen geschuldet, die wohl storytechnisch erhebliche Limitierungen für einen weiteren Film der Reihe mit sich gebracht hätten.

Die Beliebtheit der Affen-Filme war aber ungebrochen und zeigte sich an einer (für diese Zeit ungewöhnlichen, Star Wars kam erst später) Flut von Merchandising-Produkten, wie Action-Figuren, Spielen, Postern, Tassen etc. Daneben gab es eine ganze Reihe von Comic-Veröffentlichungen, die teils die Filme nacherzählten, teilweise neue Geschichten enthielten. Teilweise erschienen diese auch auf Deutsch, mit mäßigem Erfolg.

1974 wurde dann eine TV-Serie produziert, die wiederum die Prämisse des ersten Films aufnahm. Zwei Astronauten stranden auf einem Planeten, auf dem die Affen über die Menschen herrschen. Im Gegensatz zum Film allerdings können die Menschen in dieser Welt sprechen und sind nicht primitiv, sondern werden von den Affen lediglich unterdrückt. Die beiden Astronauten haben also reichlich Gelegenheit den Helden zu spielen und in Star-Trek-Manier die Überlegenheit ihrer eigenen Grundsätze und Ideale zu demonstrieren. Die Grundidee wurde damit kastriert – die Serie war ein Flop und wurde noch während der ersten Staffel eingestellt.

1976 folgte eine ebenfalls kurzlebige Zeichentrickserie Return to the Planet of the Apes, hier strandete eine Gruppe von zwei Astronauten und einer Astronautin auf dem Affenplaneten. Diese Serie kam der Intention des Original-Films näher als die erste Serie , auch wenn sie für Kinder gemacht war. In dieser Version ist die Affengesellschaft etwas höher entwickelt, die Affen fahren Autos und fliegen Flugzeuge. Trotzdem nur was für absolute Affen-Fans.

Ab Ende der 80er wurde eine Neuauflage angedacht, aber erst 2001 wagte man sich dann an ein erstes Remake des Stoffes, wieder mit dem Titel Planet der Affen. Bedenkt man die Popularität des Franchise und die somit hohen Erwartungen einerseits und das kreative Potential, das die Geschichte hat andererseits, dann ist diese Version eine ziemliche Katastrophe. Auch hier konnten die Menschen auf dem Planeten der Affen wieder sprechen ? der Fokus lag auf den durchsichtigen Intrigen der Affen untereinander, mit Gut-Affen, die den Menschen helfen und machtgierigen bösen Affen, die eben in jeder Hinsicht abgrundtief böse sind. Bis auf wenige Details, die Tim Burton als Regisseur wohl reingeschmuggelt hat, ist der Film einfallslos und uninspiriert wie ein Song von New kids on the block (ja, ja, ich weiß, Mark Wahlberg ist der Bruder, aber ihr wisst, was ich meine). Obwohl der Film ein finanzieller Erfolg war, gab es keine Fortsetzung, wohl weil man das begrenzte Potential dieser Neubearbeitung erkannte. Der Film ist so schlecht, dass man die Porno-Version „Sex-Planet der Affen“ ebenfalls von 2001, der die Sets des ersten Films liebevoll nachbaute, als das eigentlich legitimere Remake auflisten muss.

Jetzt soll aber alles anders werden. Für August ist „Planet der Affen: Prevolution“ angekündigt. Der Film wird sich nur lose an die alten Filme anlehnen und eine Art Prequel für die Affen-Geschichte als Ganzes sein. Die Handlung: Der Forscher Will Rodman arbeitet an der Entwicklung eines neuen bahnbrechenden Heilmittels gegen Alzheimer, das er zu Testzwecken an seinem Schimpansen Caesar ausprobiert. Caesar wird daraufhin intelligent und organisiert das Ende der Menschheit. Die Inhaltsangabe klingt eher nach einer Fortsetzung von „Link – Der Butler“. Aber der Name „Caesar“ für den Affen weist darauf hin, dass die Macher die alten Filme ZUMINDEST gesehen haben… Einen Trailer kann man sich hier anschauen: http://www.apeswillrise.com/

Die ‚Planet der Affen‘-Filme gibt es u.a. komplett als „40 Jahre Evolution Collection“-Box (Blu-ray, 20th Century Fox). Der neue Film, „Planet der Affen: Revolution“, kommt am 7.August in die deutschen Kinos.

Von |2018-11-30T18:27:19+00:0017. Mai 2011|Feature|